WK vom 17. Juli 2014

 

Rassismus hat jeder schon mal miterlebt“

Veranstaltungsreihe „Geschichte und Fußball – Fußballgeschichten“ in Bremer Schulen organisiert

 

S_Ras

Die Schülerinnen Anna (von links), Jana und Mona der Oberschule Habenhausen sind sich sicher, dass jeder schon einmal in irgendeiner Form Rassismus miterlebt hat.

 

Während der Fußball-Weltmeisterschaft sprachen sich Mannschaftskapitäne wie Philipp Lahm gegen Rassismus aus. Am Ende hielten die Spieler und Schiedsrichter ein Banner mit dem Slogan „Say No to Racism“ hoch. Schülerinnen und Schüler der Oberschule Habenhausen haben gemeinsam mit Experten über den Rassismus in deutschen und europäischen Stadien gesprochen.

 

V O N  I N A  S C H U L Z E

 

Bastian Schlinck ist Mitarbeiter der Initiative „Show Racism the Red Card“. „Das Motto und der Name sind plakativ und schnell gesagt. Das in die Tat umzusetzen, ist allerdings noch mal was anderes“, sagt Schlinck, der Politikwissenschaft und Soziologie studiert hat. Sich eigene Vorurteile bewusst zu machen und Diskriminierung zu problematisieren ist ein fortlaufender Prozess, den zum Beispiel jeder neue Schüler erlernen muss. Wie geht man eigentlich mit Menschen um, die einem fremd vorkommen? Laut Bastian Schlinck liegen Vorurteile nicht in der Natur des Menschen. Da wir aber zeitlebens lernen Menschen auf Einzelaspekte zu reduzieren und sie dann zu kategorisieren kommt es leider allzu häufig vor, dass wir Menschen allein aufgrund ihres Aussehens in eine Schublade stecken.

In Kooperation mit dem SV Werder Bremen hat die Konrad-Adenauer-Stiftung eine Veranstaltungsreihe unter dem Motto „Geschichte und Fußball – Fußballgeschichten“, die in Bremer Schulen ausgerichtet wird, organisiert. Die Vortragsreihe wurde anlässlich der Fußballweltmeisterschaft in Brasilien konzipiert. Ziel ist es, das Angenehme (Fußball) mit dem Nützlichen (Wissen über Geschichte) zu verbinden. In vier Veranstaltungen werden sowohl positive als auch negative Aspekte der Fußballgeschichte thematisiert und den Jugendlichen die gesellschaftspolitische Bedeutung des Sports vor Augen geführt. Zum Abschluss der Reihe sprachen die Schülerinnen und Schüler der Oberschule Habenhausen über den Rassismus in deutschen und europäischen Stadien. Zu Beginn haben sie sich den Dokumentarfilm „Wie im falschen Film – Geschichten aus dem Fußball“ von der Initiative „Show Racism the Red Card“ angeschaut. Anschließend haben Bastian Schlinck und Pavel Brunßen, Chefredakteur des Magazins „Transparent“, über Formen des Rassismus referiert.

„Wenn man Menschen aufgrund von Vorurteilen anders behandelt, spricht man von Diskriminierung“, sagt Bastian Schlinck. Rassismus spiegele dabei nur eine Form der Diskriminierung wider. Sexismus, Homophobie, Antisemitismus oder Islamophobie seien ebenfalls Formen der Diskriminierung. Wenn sich eine Gruppe anhand bestimmter Merkmale definiert, resultiert daraus eine Abgrenzung zu anderen. In Verbindung mit Macht kommt es dann schnell zu einer aktiven Diskriminierung. Zu Zeiten der Apartheid in Südafrika waren alle wichtigen Ämter von weißen Menschen besetzt. Dadurch sei es laut Bastian Schlinck leicht gewesen, andere gesellschaftlich auszugrenzen und zu unterdrücken. Diskriminierung findet aber auch bei uns alltäglich statt. So zum Beispiel durch bestimmte Formen der Rechtsprechung, aber auch wenn man etwa aufgrund irrelevanter Merkmale als Letzter ins Sportteam gewählt wird, oder klar geregelt sei, bei wem man in der großen Pause stehen darf.

Warum neigen Menschen dazu, andere zu diskriminieren? Laut Schlinck sei es auch eine Art egoistischer Selbstschutz. Man versammele Leute um sich, die man kennt und deren Gewohnheiten. Die daraus resultierende Ausgrenzung der Betroffenen könne unterschiedlich wahrgenommen werden. Was andere für einen vermeintlichen Spaß halten, könne bei dem Betroffenen zu Depressionen führen. „Ob eine Handlung oder Aussage verletzend ist, können nur die Betroffenen selbst entscheiden“, sagt Bastian Schlinck. „Außenstehende, die nicht betroffen sind, können dabei leichter intervenieren und sagen, dass gewisse Handlungen und Aussagen nicht angebracht sind“.

Jeder habe eine Verantwortung, etwas zu unternehmen. „Man muss Solidarität mit den Betroffenen zeigen und klarmachen, dass sie nicht allein sind“, sagt Schlinck. Denn das sei oft das Schlimmste.

Die Dokumentation „Wie im falschen Film – Geschichten aus dem Fußball“ zeigt den Schülern verschiedene Szenen des Fußballs. „Ich wusste nicht, dass es so viel Rassismus vor allem in den Jugendmannschaften gibt“, sagt die 16-jährige Anna aus Habenhausen. „Rassismus hat jeder schon mal in irgendeiner Form miterlebt“, ist sich die 16-jährige Jana aus Kattenturm sicher. „In Verbindung mit Fußball hat das noch mal eine andere Dimension.“

Pavel Brunßen erklärte den Schülerinnen und Schülern noch den Unterschied zwischen Ultras und Hooligan-Fanbewegungen in den Stadien. Banner an den Zäunen der Fankurven wiesen auf die Gruppierungen hin, die dort was zu sagen haben. Bei manchen Ultra-Gruppierungen seien Schlägereien und Krawalle ein akzeptiertes Mittel der Durchsetzung von Faninteressen. Aus diesem Grund würden die Ultras in Medien und der öffentlichen Wahrnehmung oft mit Hooligans beziehungsweise mit Gewaltbereitschaft in Verbindung gebracht. Tatsächlich stehe bei Hooligans die gewalttätige Auseinandersetzung mit anderen Gruppen im Vordergrund, bei Ultras der Sport. Darüber hinaus werben Hooligans gerne dafür, dass sie keine Politik beim Fußball betreiben möchten und dies auch niemand anderes sollte. „Es ist eine Verdrehung von Politik sowie von Tätern und Opfern“, sagt Pavel Brunßen aus Düsseldorf. „Im Stadion kann man Spaß haben, ohne jemanden zu beleidigen.“

 

 

Weitere Informationen zur Fankultur und Rassismus gibt es im Internet unter www.aktive-fans.de, www.transparent-magazin.de und www.fussball-gegen-nazis.de .

 

 

 

 

Die Zahnfee war mal wieder da

 

Einige Schüler der 5c hatten Besuch von der Zahnfee.
Die Schüler konnten ihr Wissen über Zahnpflege und Mundhygiene erweitern.
Außerdem durften sie selber Zahnarzt spielen.
Zähne wurden gezogen und Löcher gefüllt von unseren kleinen Doktoren.


  

  

BEK

 

 

 

 

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