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Habenhauser Schülerinnen und Schüler geben einen Einblick in den Alltag vor über 60 Jahren

WK vom 03.08.2014

 

„Genau so war es damals“

 

Von Jörg Teichfischer

Habenhausen. Mit einem Fotobuch, einer Theateraufführung und einer Fotoausstellung zeigten Schülerinnen und Schüler der Oberschule Habenhausen, wie der Unterricht nach dem Neubau der Bildungsstätte im Jahr 1950 aussah.

 

© Walter Gerbracht

 

Die Schülerinnen und Schüler der Oberschule Habenhausen zeigten, wie es früher an der Schule zuging. Eine Szene beschäftigte sich mit der Grundsteinlegung.

Anstoß für die Aufarbeitung der eigenen Schulgeschichte war eine Ausstellung des Schulmuseums in der Unteren Rathaushalle, die sich im Juni unter dem Titel „Hunger – Demokratie – Rock‘n‘Roll“ mit der Nachkriegszeit beschäftigte. Rudi Geisler, Vorsitzender des Freundeskreises des Schulmuseums, hatte zuvor alle Schulen mit der Bitte angeschrieben, sich an dem Vorhaben zu beteiligen. Rund 30 haben sich in der einen oder anderen Form an der Ausstellung beteiligt.

Besonderes Glück hatten die Habenhauser, denn durch einen Zufall kamen ungefähr 100 alte Fotos eines unbekannten Fotografen zum Vorschein, der den Alltag speziell in der Volksschule Habenhausen dokumentiert hatte. 50 Schüler aus den Klassen 7A und 9E hatten somit eine gute Grundlage für ihr Projekt mit dem Titel „Unsere Schule damals“, das in die Ausstellung im Rathaus mit eingebunden wurde.

 

© Walter Gerbracht

 

Margret Grabenhorst mit ihrem Einschulungsfoto, das in dem Fotobuch zu finden ist.

Und die Fotomotive lohnten sich, galt die Lernanstalt doch seit ihrem Neubau im Jahr 1950 als besonders innovativ. „Die demokratisch gesinnten Lehrer durften den Bau mitplanen“, erläutert Geisler. Militärischen Drill und Strammstehen im Unterricht sollte es fortan nicht mehr geben. Stuhlkreise mit drehbaren Stühlen statt Frontalunterricht mit hintereinander angeordneten Tischreihen, Gruppenarbeit statt Einzelkämpfertum, kleinere Klassen, Blumen auf den Tischen und Unterricht im Freien standen künftig mit auf dem Lehrplan.

Auch der Fokus auf die Kunst war ungewöhnlich für die damalige Zeit. Aufträge wurden unter anderem an frühere Widerstandskämpfer gegen Hitler vergeben, wie etwa den Bildhauer Klaus Bücking. Dessen „Seehund mit Jungen“ aus Muschelkalk ist noch heute im Originalzustand auf dem Schulhof in Habenhausen zu bewundern.

Alte und neue Fotos im Vergleich

Das Motiv findet sich auch in einem Fotobuch, in dem die heutigen Schüler die alten Aufnahmen mit aktuellen Fotos desselben Ortes vergleichen. Viele Objekte gibt es heute noch in der fast ursprünglichen Form: Die Hauptgebäude, die Stadtmusikanten an der Eingangswand, die Kunstwerke und vieles mehr. „Die Schule ist fast wie früher – nur größer“, fasst Geisler, der selbst zwischen 1972 und 1981 dort Lehrer war, die bauliche Entwicklung zusammen. Heute werden dort 600 statt wie in den 50ern 300 Schüler auf das Leben vorbereitet.

Abgeschafft wurde 1950 mit der neuen Schule auch die Prügelstrafe, selbst wenn sie anfangs noch vereinzelt eingesetzt wurde. Davon erzählt unter anderem eine Szene aus dem Theaterstück, das die Jugendlichen über die frühere Zeit vor Eltern, Lehrern, Zeitzeugen und Unterstützern des Projekts, zu denen das Schulmuseum, der Beirat, die Gewoba und photodose gehören, aufgeführt haben. Seit Ende 2013 haben sie sich mit der Historie beschäftigt, haben Interviews mit Ehemaligen der Schule geführt, Bildungsausflüge unternommen und schließlich mehrere Schulsituationen mit Hilfe von Mitarbeitern des Schnürschuhtheaters in Szene gesetzt. Von der Grundsteinlegung des Schulgebäudes, bei der die Schatulle mit Münzen geklaut wurde, über die Aktivitäten im Unterricht und der Pause reichten die kurzen Bühnenszenen. Sie zeigten aber auch, dass bei aller Modernität und Innovation die Jugendlichen in den 50er-Jahren in bestimmten Fragen ganz andere Ansichten hatten als ihre Lehrer. So wurden in Habenhausen Strafen für das Tragen von amerikanischen T-Shirts, Jeans oder das Kaugummikauen verteilt.

„Genau so war es damals“, sagt Margret Grabenhorst nach der Theateraufführung. Ihr Bild ist in dem Fotobuch zu finden, als sie bei ihrer Einschulung mit einer Schultüte abgelichtet wurde und damals ganz aufgeregt war. „Selbst der Rock‘n‘Roll, den wir in unserer Freizeit tanzten, wurde korrekt als Gruppentanz und nicht als Paartanz von den Schülern aufgeführt“, so ihr Urteil über die historische Korrektheit. Was nicht verwundert, schließlich hat sie wie auch zahlreiche weitere Zeitzeugen an dem Projekt mitgewirkt.

Das Fotobuch „Volksschule Habenhausen damals und unsere Oberschule heute“ ist über die Schule nachbestellbar. Die Fotoausstellung soll später noch einmal im Stadtteil gezeigt werden.

 

 

 

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